Trauma

„Ein Trauma ist die am meisten ignorierte, geschmälerte, verleugnete, missverstandene und unbehandelte Ursache für menschliches Leiden.“ (Peter Levine)

Im Augenblick einer Bedrohung aktiviert der Körper physiologisch und neurochemisch eine außergewöhnliche Energiemenge für die Verteidigung. Dies führt zu einer erhöhten Herzfrequenz und anderen körperlichen Veränderungen. Kann diese Energie nicht aufgebraucht werden, weil die Person sich nicht verteidigen, nicht reagieren kann, schafft dies das Potenzial für traumatische Symptome im Lebensverlauf.

Ein Trauma ist aber eine normale Reaktion auf ein abnormales Ereignis. Bei einem Trauma wird das seelische und körperliche Gleichgewicht eines Menschen durch ein äußeres Ereignis erschüttert, die zentrale seelisch-körperliche Verarbeitung wird überfordert, Angst und Erregung steigen ins Unermessliche. Das Grundvertrauen, durch seine nächsten Bezugspersonen geschützt und durch eigene körperliche und seelische Abgrenzung unantastbar zu sein, wird beschädigt oder zerstört.

Ein Trauma beinhaltet immer vier Faktoren: 1. außergewöhnlich starke Erregung, 2. psychophysiologische Kontraktion, 3. Dissoziation, Freeze und Fragmentierung, 4. Hilflosigkeit, Ohnmacht, Entsetzen. Alle Symptome und Kennzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) entwickeln sich aus diesen vier Faktoren, sofern die mobilisierte Erregung nicht innerhalb der nächsten Zeit abgebaut werden kann.

Wir wissen heute, dass die Reaktion auf Trauma im Körper und seiner Organisation gehalten wird und dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Art, wie wir unseren Körper und der Art, wie wir die Welt erleben, besteht. Es überrascht und erleichtert, dass große Teile unseres Verhaltens, das wir uns selbst und unserer Art, mit der Welt in Beziehung zu treten, zugeschrieben hatten, als Teil eines Regulationsproblems eines inneren Körperzustandes zu sehen sind und nicht als Pathologie und psychische Störung. Wenn die innere Regulation ständig auf eine vergangene Gefährdungssituation eingestellt ist, sprechen wir von Trauma.